Forms of Life

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  • Forms of Life

    performance for a dancer with oceandrum, shrutibox, klangfeile, voice and live-electronics, 2019
    Commissioned by Globart Academy 2019

    Andrea Nagl: Choreographie, Performance, Oceandrum, Klangfeile, Stimme, Shrutibox, Glocken
    Karlheinz Essl: Komposition, Live-Elektronik
    Konzept: Karlheinz Essl & Andrea Nagl

    Premiere:
    10. Oktober 2019
    Essl Museum, Klosterneuburg (A)
    Globart Academy 2019

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    In einer neuartigen Form der Zusammenarbeit widmen sich der Komponist & Elektroniker Karlheinz Essl und die Tänzerin & Choreographin Andrea Nagl dem Hauptthema der Globart Academy 2019: LEBEN. Dessen unterschiedliche Entwicklungsstadien – von der Entstehung aus an/organischen Molekülen zur Entwicklung von Tier und Mensch hin zu utopischen und zukünftigen Lebensformen – werden in einer Live-Performance vor den Augen und Ohren des Publikums experimentell untersucht.

    Auf höchst ungewöhnlichen Instrumenten (einer Oceandrum, einer Klangfeile und einer indischen Shrutibox) produziert die Performerin Andrea Nagl mit ihrem Körper und ihrem Stimmapparat Klangtexturen, die in ein von Karlheinz Essl entwickeltes Computerprogramm eingespeist werden. Dieses fungiert als eine Art Partikelbeschleuniger, der die live gespielten Klänge verwirbelt, mutiert und dreidimensional in den Aktionsraum zurückprojiziert. Die sich immersiv ausbreitende Soundscape bildet nun die Grundlage von tänzerischen Aktionen, die wiederum die Veränderung der elektronischen Klangstrukturen bewirken.

    Ein solches dynamische System generiert – metaphorisch gesprochen – verschiedene Zustände des Lebendigen, die sich permanent verändern und an die neu entstehenden „Wirklichkeiten” anzupassen versuchen. Allerdings geschieht dies nicht durch einen deterministischen Algorithmus, sondern mittels zufallsgesteuerter Varianzfaktoren, die von Karlheinz Essl während der Live-Performance kontrolliert werden können.

    Leben als ewiger Kreislauf von Werden und Vergehen mit Tendenzen zur Entwicklung und Mutation wird hier als Performance inszeniert, wo Tanz und Musik sich wechselseitig beeinflußen, bedingen – und bis zur Klimax aufschaukeln können.

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    Forms of Life Premiere im Essl Museum – Fotos auf flickr
    Forms of Life Probenfotos

    Studiorecording (Oktober 2019) auf Soundcloud 

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    Klang – Raum – Bewegung

    Musik und Tanz bedingen einander, sind untrennbar verwoben, kommunizieren ephemer über ihre Wurzeln, schwingen energetisch gemeinsam.
    Musik-kompositorische als auch Choreographie-kompositorische Struktur werden gleichwertig gedacht, sind eigenständig und gleichzeitig interdependent.
    Aufeinander reagieren bedeutet nicht, einander zu illustrieren, dies wäre ein einander aufheben, nivellieren, verdünnen. Miteinander “Schwingen” bedeutet, auf verschiedenen Ebenen (z.B. energetisch, intellektuell, künstlerisch) zu einem Gleichklang zu finden, aus dem heraus sowohl intuitiv als auch intellektuell konstruiert ein spannender Dialog über die Kunstsparten hinweg entstehen kann. Eine Geschichte plus eine andere Geschichte ergibt eine neue Geschichte. Oder: das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile.
    Wichtig im Umgang mit Musik ist mir, mich ihr gegenüber als zusätzliche Stimme auf gleicher Augenhöhe zu verhalten. Diese mag an manchen Stellen synchron mit dem hörbaren Sound sein, an anderen kontrapunktisch, oder auch in einer anderen Welt.

     

    Choreografische Inspirationen:

    Ausgangspunkt aller choreografischen Überlegungen war die Struktur, die aus dem Wechsel des Spielen eines Musikinstrumentes/des Musizierens und dem Tanzen/choreografierten Bewegen entsteht. Daraus ergibt sich die Freiheit, auch innerhalb der getanzten Parts Brüche und spontane Themenwechsel einzubauen. Auf diesen Zugang bezieht sich der Verweis “episches Theater”.

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    http://www.oekosystem-erde.de : Die Geschichte des Lebens auf der Erde

    “Body Space Image – Notes towards improvisation and performance”, Miranda Tufnell / Chris Crickmay (1990)

    Somatischer Körperzugang

    episches Theater – Brüche – und dann (zeigen, erzählen, nicht es leben)

     

    Erdentstehung (Gravitation, Protoplaneten), Evolution und Genesis (Ursuppe, wie entstand organisches aus anorganischem Leben, große Forschungsfrage; die Notwendigkeit einer “Göttlichen” Energie), Dauer und Zeit (der Mensch als Staubkorn in der Erdgeschichte), Utopie als energetisches Verbundensein alles Lebendigen, skulptural – den ganzen Raum ausfüllen

    ZEIT RAUM FORM ZUSTAND

    Keine Unterscheidung zwischen Research und Performance, beobachten und beobachtet werden (G.B.).

    ISLAND

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    Oceandrum: die Kügelchen bewegen sich wie Vogelschwärme, oder Moleküle, Teilchen eines Kristallgitters, Elektronen, auch Menschenmassen. Einige fangen an zu rollen, andere folgen, zögern, stoppen, Richtungswechsel, plötzlich laufen alle ein paar wenigen nach, lösen sich aus der Menge wie erodiert aus bestimmten Stellen heraus, das Gesetz der Masse, dann wieder träge und schwerfällig, gemeinsam als Welle…

    DAUER RUHE FELS
    Fels, Gesteinsbildung, Plattentektonik, Vulkanschlot und Spalten, Gänge im Untergrund, Bruchlinien, tektonische Störungszonen, Klüfte, Verwerfung, Spannung, Reibung, Schiebung, Druck, Metamorphose, getrieben werden, Eruption. SCHATTEN ECHO. Struktur-Form, Pose-Dauer.
    Erosion – sich berühren, die Rundheit des Kopfes wie ein abgeschliffener Flussschotter, ein vom Gletscher gerundeter Fels,  ROUNDNESS, rollen, stetige Bewegung und Veränderung, während das Gestein da ist, auch die Erde ist rund; das Relief,die Oberfläche, die Topographie ertasten, das Erkennen, das Begreifen, das Umrunden, die Erinnerung der Berührung / des Berührt-Werden, das sich Verselbständigen, der Abdruck in der Luft, auf der Erde;
    Der Körper bedeckt einen ganzen Kontinent – RELATION DAUERN, braucht einen ganzen Tag, sich umzudrehen (Milliarden Jahre).
    Dann regnete es mehrere 10.000 Jahre (Ruhe, Warten, Dauer) und die Ozeane bildeten sich, Leben im Wasser möglich, Prokarioten entstehen. Plattentektonik der Schädelknochen, Licht scheint durch die Ritzen, Verbindung des Schädels und der Wirbelsäule über den Duralschlauch, alle Fenster des Schädels öffnen, vgl. inter- und intrazelluläre Flüssigkeit: Wasser innen und außen, wie Haus mit offenen Türen und Fenstern am Meeresgrund. Brustkorb mit Froschlaich gefüllt, mit einem Körperteil der Berührung einer (imaginierten) Hand folgen, flüssig, Leben im Wasser. Zerrinnen, beginnen. Störung, Zuckung, Verrenkung, die Unruhe der Entstehung des Organischen, ist nicht still, es quillt, sprudelt, blubbert. Hochtemperaturgebiet.

    OPENING LISTENING IN ALL DIRECTIONS

    Klangfeile: “Viecher”, schmatzen, kratzen, knabbern, krabbeln, scharren, klopfen, Holzwürmer, Einzeller, awkward

    UNRUHE HOCHTEMPERATURGEBIET LEBENDIG UNGEDULDIG
    Einzeller – ja/nein, hin/weg, fressen/gefressen werden, 0/1 – Loop.

    Stimme: Evolution im Schnelldurchlauf: Fisch – Vogel – Schwein, Geräusch, animalisch

    Das Entsetzen über das Lebendige – Starre. Auch ein erstarrtes Lavafeld trägt in sich noch das Vorwärts-Wälzen und -Streben als energetische Erinnerung und formalen Abdruck. Energie, Vulkanismus, Lavastrom, Vorwärtsstreben, Fluss, es strebt, drängt, explosiv, stößt an Hindernisse, wirft sich auf, faucht. Schließlich Erstarrung, Erkalten.

    Atem / Sprachfetzen: STROMATOLITH. Aus dem Wasser auf´s Land – Atmung (Geräusche, Sprache). Knollenförmig rund.

    Diverse Urtierchen und ähnliche: Krabbenwesen, Urfisch, Einzeller divers (“Trolltier”), Trilopit.
    Vom Wasser auf das Land, fester Boden unter den Füßen, Zug der Schwerkraft – sich zu Nutze machen, NEUORGANISATION, neue Ausrichtung, angepasstes Skelett entsteht, Druck und Gegendruck, Standhalten, Luft rundum.
    Der Boden als Wasseroberfläche (kein Einsinken). Welches “Gefühl” hatten die Tiere, als sie auf Festland wechselten?
    Leben an Land möglich durch Cyanobakterien – bilden schleimige Matten, in der Hülle werden Staub- und Tonpartikel eingefangen, im Laufe der Zeit entstehen unter ihnen knollenförmige steinerne Blöcke – die Stromatolithen -> PHOTOSYNTHESE -> Atmosphäre der 3. Phase vor 2,5 Millionen Jahren. PROTOZOIKUM
    Einzeller mit Zellkern – Eukaryoten entstehen (Basis aller Tiere und Pflanzen).
    EISZEIT – Pflanzen werden immer kleiner. Landhebung bei Abschmelzen.

    Shrutibox: Atem des Instruments. Öffnung des Raums. Der Mensch tritt auf.

    Der Mensch in seiner Komplexität, der sich selbst erkennenden Menschen, der zur Selbstreflexion fähig ist, somit öffnen sich neue (Denk)räume. Selbsterkenntnis / Eigenwahrnehmung. Funktionieren, Erfüllen, Rädchen im Getriebe. Verortung in der Welt, der Gesellschaft. METAEBENE.

    Glöckchen, Zimbeln: Utopie, Zukunft, Paradies – NATUR – SPIRITUALITÄT.

    Verbunden-Sein alles Lebendigen, Herz zu Herz, Schwingen im Atem des Lebens.

     

    RYTHMUS PHRASIERUNG STILLE FRAGMENT

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    Fotos: Nagl ~ Wintersberger

     

     

    Videozusammenschnitt der Premiere im Essl Museum am 10.10.2019 (sollte das Video nicht sichtbar sein, bitte hier clicken!)

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    Videodokumentation der gesamten Performance (aufgenommen während der Generalprobe):
    Teil 1
    Teil 2

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    Verkleinerte Fassung am 6. November 2019 bei WOW! Signal im Kramladen Wien.

    Fotos: Nagl ~ Wintersberger

    Mehr Fotos der Performance im Kramladen auf flickr…

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    Release auf Nachstück Records ->

    FOL Relase.jpg

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    Andrea Nagl © 2019

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