Webern_rauschen

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    Choreografisch-musikalisch-visueller Research inspiriert von Peter Ablinger´s “4 WEISS für Orchester und Rauschen” und ausgehend von Anton Webern´s Streichquartett op. 28

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    I. Soundresearch Videos (Stand 29.2.2020)

    BACHrauschen ⎤V1 ⎡   -> youtube V1

    BACHrauschen ⎤V2 ⎡  -> youtube V2

    BACHrauschen ⎤V3 ⎡  -> youtube V3

    BACHrauschen ⎤V4 ⎡   -> youtube V4

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    II. Webern.Rauschen – choreografisches Konzept

    Beeindruckt und irritiert zugleich vom Stück “4 WEISS für Orchester und Rauschen” von Peter Ablinger, aufgeführt im Konzerthaus beim Eröffnungskonzert von WienModern, befasste ich mich meinerseits mit weißem Rauschen – und der Frage, was der Prozess der Überlagerung live gespielter Musik eines Streichorchesters mit sehr lautem, digitalen weißen Rauschen, sodass die vermeintlich wichtigere Musik kaum mehr zu hören ist, für eine visuelle Ebene von live aufgeführten Tanz bedeuten könnte.

    Auch die Rücksprache mit einigen Komponisten und Musik-affinen Menschen brachte nicht mehr zum Vorschein, als dass man – so wie die Musik nicht hören – den Tanz / die Choreografie nicht sehen kann.
    Daher ist der Plan, die durchaus ausgeklügelte Choreografie (siehe weiter unten), mehr oder weniger im Finstern zu performen. Angedacht ist eine sehr dunkle Projektion mit schwarzweißem Rauschen (wie früher des Nachts im Schwarz-Weiß- Fernsehen) oder ein “punktuelles” minimales Licht, das nur einzelne Stellen im Raum sehen lässt – sowie ein gewisser Grundklang des Orchesters auch hörbar war. Dadurch wurde der visuelle Aspekt wichtiger, wie natürlich beim Tanz bekannter Weise der akustische (besonders beim Tanzen ohne Musik).

    Das Stück von Ablinger hat 4 Sätze, 4×4 min. mit kurzen Pausen dazwischen (in Stille). Daher suchte ich nach einem musikalischen Werk, das aus möglichst kurzen Teilen besteht.

    Ich setze hierbei meine Forschung zu Neuer Musik fort, wie ich sie in den letzten 2-3 Jahren mit Musik von Karlheinz Essl betrieben habe – es ging stets um die die Verbindung von Bewegung und Komposition, um ein mich einschreiben “zwischen die Zeilen”, ein körperliches in den Raum projizieren der Partitur (also nicht einen rein klanglicher Umgang mit Musik, ein zur Musik tanzen oder einander illustrieren). Tanz und Musik, Choreografie und Komposition als gleichwertige Partner, die zusammen ein neues Ganzes schaffen.

    Bei Webern.Rauschen gehe ich vom Streichquartet Opus 28 von Anton Webern aus. Auf der Basis von analytischer Information zum Werk, der Partitur sowie der hörbaren Musik versuche ich eine “intuitiv-analytische” Übersetzung des Werkes in Bewegung/Tanz zu finden. Das Werk besteht aus drei Sätzen, einem zu ca. 4min, einer zu knapp 2min. und einer zu 2,5min.

    Die Performance ist folgendermaßen gedacht:
    Sehr helles Licht, ich stehe im Raum, dabei 10-20sek weißes Rauschen, ev. unter Hervorhebung der b-a-c-h Frequenzen (ein in Weberns Werk vorkommendes Pattern) – siehe Sound research oben. Dann erster Satz getanzt in Stille (ich bin die Musik) und weitgehender Dunkelheit. Danach ende ich an einem bestimmten Ort im Raum, verharre dort, wiederum bei hellem Licht und dem Rauschen, danach 2. Satz getanzt usw. Möglicherweise gibt es ein Intro ins Tanzen mittels Metronom Schlag, um das Tempo akkurat zu treffen.

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    Notizen zum choreographischen Research zu Anton Webern op 28:

    Choreographische Partitur und Research

     

     

    Satz I
    klingt “Horizontal”: räumlich, durch den Raum; gestisch; kontinuierliches Ganzes;
    Körperteilphrase über BACH DisECisD GesFAsG (Umkehrung, Krebs…) inkl. rythmische Phrasierung (“Adagio”)
    Anfang: Phrasierung, Rythmus, Qualität (Gesten, Essenz)
    Teile Krebs (von hinten nach vorn), Umkehrung, Spiegelung im Raum (cirka)
    Adagio/Körperteilphrase
    BACH – Motiv (im Raum geschrieben in Blockbuchstaben)
    Ansatz Anfang, Zwischenteil, Einschub (Otto Wagner, usw)
    Anfang andere Körperrichtung und Raumrichtung,
    Adagio Körperteilphrase in andere Raumrichtung
    Ende

    Satz II
    Loop, Laban Cube, statisch, kleiner Raum, Rythmus
    Zwischenteil – runder, mehr Raum, seufzend
    Loop
    Stretto

    Satz III
    Alles entsteht aus der Reihe, 3×4, 4 Körperteile als Bewegungsansatz, werden zur Basis von allem (Urpflanze), damit Krebs, Spiegelung, Diminution, Augmentation, Verschiebung, Umstellung…
    Scherzo Phrase ansatzweise rythmisches Muster übernommen
    (choreogr.) Fugenthema (3 Teile), in Folge verschachteln usw., versetzt…, z.T. analog zur Komposition (T38 Tr, 3. Teil, dann direkt 1.Teil), z.T. frei
    Rückführung, Reprise:
    “Adagio” von Satz 1 (Körperteilphrase aus Reihe)
    BACH von Satz 1
    Anfang (Scherzo) von Satz 3, plus letzter “Ton”.

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    III. Webern-Matrix-Rauschen IMTA – IC\M/T / UAS St. Pölten / FH St. Pölten

    Stand 18.6.2020:

    Still Satz1 Probe 2 Kopie Video 1. Satz (Probe 5.6.2020)

    Video 2. Satz (Mix basic Avatar und Rokoko Motion Capture Suit, Session 11.6.2020)

     Video 3. Satz (Kostümvorschlag, Session 12.6.2020)

    Das choreographische Art based Research Webern.Rauschen bringt in das IMTA Forschungsprojekt eine entscheidende Fragestellung ein, die eine künstlerische Notwendigkeit aus der inhaltlichen Stringenz generiert. Diese Stringenz ermöglicht es, über ein bloßes technologisches Experimentieren hinaus zu Forschen. Das medientechnologisch versierte und ausgerichtete IMTA Forschungs-Team kann auf eine von Andrea Nagl ausgearbeiteten choreographischen Substanz aufsetzen: die zeiträumliche Bewegungschoreographie resultiert aus einer intensiven und fundierten Beschäftigung mit Anton Weberns Streichquartet Op28 (Karlheinz Essl: Das Synthese-Denken bei Anton Webern, Internetrecherche, Analyse der Partitur, intensives Hören des Werks, Gespräche mit Karlheinz Essl), so wie dem in vielen vorangegangenen Projekten von Andrea Nagl kultivierten Zugang zu Musik-kompositorischen Prinzipien (besonders: Sequitur_caleidoscopia, Sequitur_caleidoscopia ext., LamenToys) und daraus einen Ansatz für choreographisches Agieren zu suchen.

    Im Sinne einer avancierten Forschung erscheint es unumgänglich über gängige Clichés der spontanen Tanzimprovisation sowie deren technologische Verarbeitung hinsichtlich einer meist eher oberflächlichen rein ästhetisch-zeitgeistigen Interpretation hinauszugehen. Erst angesichts einer komplexen, klar festgelegten gemeinsamen theoretischen Basis (vor allem auf künstlerischer Ebene) des Experiments kann eine der anleitenden Ausgangsfragen, inwiefern spezifische Bewegungsqualität und Patterns sowie die Lebendigkeit und Feinfühligkeit des choreographischen Ausdrucks einer live im Raum und Zeit agierenden Tänzerin Mittels aktueller Motion Capture Technologien – ROKOKO Motion Capture Suit festgehalten, übertragen und transformiert, neu, aber gleichwertig bzw. mit Mehrwert ausgedrückt werden.

    In einem ersten Schritt wurden die bisherigen Eckpunkte der choreographischen Recherche und Auseinandersetzung ins Forschungsteam eingebracht – besonders Anton Webern als Komponist, das Werk Streichquartet Op 28, Prinzipien wie Reihe, Urpflanze, das B-A-C-H-Motiv, sowie graphische Übersetzungen / Übertragungen / Assoziationen / Interpretationen der Materie von Andrea Nagl hinsichtlich Tanzkomposition  – die in Folge als gemeinsame Matrix für den technologischen und künstlerischen Research dienen sollen, analog zur Reihe, aus der bei Webern alles hervorgeht (“Die Reihe sichert mir den Zusammenhang.” (S.107); “Das ist also die neulich besprochene ‘Urpflanze’! – Immer verschieden und doch immer dasselbe! Wo immer wir das Stück anschneiden, immer muss der Ablauf der Reihe festzustellen sein. Hierdurch wird der Zusammenhang gewährleistet.” (S.108);  “Das heißt aber, dass dem ganzen Quartett nichts anderes zugrunde liegt als diese bestimmte Folge von vier Tönen!” (S.112) zit. aus Essl: Das Synthese-Denken bei Anton Webern).

    Inspirierend für die weitere Arbeit auch die von Webern angesprochenen Naturassoziationen als underlaying Code, der oberflächlich nicht sofort sichtbar wird / offensichtlich ist, jedoch eine weitere gemeinsame Basis im Sinne eines assoziativen Gedankennebels bieten kann.

    Gedankennebel – Rauschen – Partikel

    Aktuelle Assoziationen in Richtung Natur: Urpflanze, Fraktal, Fibunacci, Rauschen; Frage, warum in VR so primär Natur dargestellt wird (im völlig denaturalisierten Raum); Naturassoziation = “Morph”: feinstäubliche Partikel, schwarzer Raum, Nebelmorph, amorph, Quantenflirren
    Spur: Natur-Pflanze-AN-Tanzen (AR), in Geschichte verpackt

    Nächsten Schritte: um zu wertvollem Content mit tatsächlichem künstlerischen Impetus vorzudringen und über oberflächliche technologieverliebte Spielerei hinauszugehen:

    Wie können Aspekte, die aus Überlegungen der künstlerischen Stringenz resultieren sich treffen mit Notwendigkeiten und forschungsrelevanten Aspekten der Technologie hinsichtlich Auswahl einer Figur / eines Avatars (was ist mehr als originell, cool, trendy, lustig, aber auch als bloße 1:1 Übersetzung einer visionierten Bühnenversion? Welches Kostüm und welche Gestaltung ergibt sich im Kontext Webern, der Komposition, der choreographischen Gestaltung? Wie können diese Ideen kreativ und spannend in eine digitale Welt nicht nur übersetzt, sondern erweitert werden? Was ist der künstlerische “Mehrwert” oder zumindest Sinn für die Rezipientin in einer VR Brille?

    Die Choreographie Webern.Rauschen stellt derart auch den Aufhänger, das Material dar, an dem derartige Fragen erforscht erprobt werden können, eine positive Einschränkung analog zu Weberns Reihe, die (oft im künstlerischen Prozess) Freiheit gibt, zielgerichtet und am konkreten Exempel zu forschen und experimentieren.

    Webern

    Reihe (Einschränkung)

    Komposition

    Musik

    Rauschen

    Natur

    Motion Capture

    Räume

    Choreo

    Software

     

    Markus Wintersberger
    Marlen Jachek
    Christian Munk
    Clemens Baumann

     

     

    more infos coming soon!

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    Andrea Nagl © 2020

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