Fremdenverkehrsamt. 2014 – 2015

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  • Fremdenverkehrsamt. 2014 – 2015
    Aus der Serie “Sommerfrische”

    Site-specific Performance und Intervention
    Josefsberg – Ötscher 2014, Laibach 2014 und St. Corona am Wechsel 2015

    Fotografie und Installation
    Performance: Andrea Nagl
    Fotografie: Markus Wintersberger
    Nagl ~ Wintersberger 2014 / 2015

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    ………… 2014 Spiderman Oetscher kl004 ……. 2014 Spiderman Oetscher kl008

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    ” Zehnter Lehrbrief
    Fremdenwerbung

    Während die einen der Ansicht sind, daß ein Schnupfen am sichersten im warmen Bett geheilt wird, schwören andere darauf, daß ihn im Gegenteil nur ein langer Spaziergang in kalter Winterluft austrocknet. Solange nun die einen im Schnupfenfall nicht in die Winterkälte, die anderen nicht ins Bett eilen, bleibt die Fremdenwerbung eine der schwierigsten Werbearbeiten, die es gibt.
    Schwierig und unvollkommen. Man plakatiert, man inseriert, schickt Prospekte, schreibt Werbebriefe, führt Filme vor, macht Auslandsausstellungen und kann im Grunde nicht mehr hoffen, als daß sich unter diesen vielen Maßnahmen doch auch die richtige befinden werde.

    Der einzelne kann auch nicht beschließen, daß von nun ab alle Künstler wieder freizügig und darin staatlich gefördert sein sollen. Er kann nichts dazutun, daß Schriftsteller von Rang und Namen ihre Romane in Österreich spielen lassen oder sonst über Österreich schreiben, – er kann es nur hoffen.

    Wer ist ein Fremder?
    In armen Ländern schaut man, wenn man Gäste sucht, gern über die Grenzen. In reichen Ländern bereitet man die Gaststätten mehr für die Bewohner des eigenen Lands. …

    Der reiche Reisende hat in allen Ländern ungefähr die gleiche Auffassung vom Reisen. Große Hotels haben daher nur eine einzige Auffassung des Gastempfangs zu pflegen, gleichgültige ob sie inländische oder ausländische Gäste suchen. In großen Hotels ist der Fremde eine bekannte Größe, mit der verhältnismäßig leicht zu rechnen ist.
    In Hotels und Gasthöfen, die sozusagen für jedermann offen stehen, können zwischen „Fremder“ und „Fremder“ große Unterschiede sein. Haben reiche Reisende zumeist keine Eigenart (gilt es doch in jenen Kreisen als vornehm, gewissermaßen nach einer Schablone geschnitten zu sein) so ist der „kleine“ Gast oft eine Persönlichkeit, mit der persönlich gerechnet werden muß. …
    Fremdwerbung wird desto schwieriger, in desto breitre Schichten sie dringen will.

    So kommen wir auf die Frage zurück, wer der Fremde ist. Ich glaube aber, daß wir vorläufig die Antwort auf die Frage nicht suchen sollten. Sie liegt nämlich werde in der Geographie noch in der Statistik, sondern in uns.

     

    Umfangreichere Fotodokumentation flickr

    Vollständige Fotoserie flickr Markus Wintersberger

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    Von der Wahrheit in der Fremdenwerbung
    Sind wir geneigt, die Wahrheit in der Werbung als ein Schlagwort anzusehen, so gewinnt sie in der Fremdenwerbung auf bestimmte Art hohe Bedeutung. Wahrheit in der Fremdenwerbung ist ganz einfach die Pflicht für den Zustand zu werben, der gegeben ist und nicht für den, von dem man glaubt, daß die Umworbenen ihn wünschen.


    Jede Wahrheit, auch die unangenehmste, hat ihren Reiz. Mit offenen Augen und wachen Sinnen wird man für jede Gaststätte werben können.

    Das Klischeewort in der Fremdenwerbung
    Dieses Den-Mund-recht-vollnehmen und dieses Allen-nach-dem-Mund-reden hat dazu geführt, daß sich fast in allen Werbemitteln der Fremdenwerbung eine Klischeeausdrucksweise eingerissen hat, deren Zweck es zu sein scheint, mit großartigen Worten nichts auszusagen.

    Wie sieht eine „schöne Lage“ aus? Wie schmeckt „Hausmannskost“? Zeigt eine „prachtvolle Fernsicht“ einen See, ein Gebirge oder ein Mädchenpensionat? Lieben sie ein Hotel mit „ungewöhnlich romantischer Umgebung“? Sind „zivile“ Preise der Leistung angemessen?

    Sehr beliebt ist die „sagenumwobene Wachau“ als „idealer Aufenthalt“. Aber was ist denn ein idealer Aufenthalt? Glaube sie, daß darin drei Menschen einer Meinung sind? Aber es sagt sich leicht, klingt gut und ist schnell hingeschrieben …

    Ein bißchen Nachdenken und sich Vertiefen in den Geist dessen, was man mit Worten zu beschreiben hat, fördert eine Fülle von Ausdrücken zu Tage, die uns wirklich etwas sagen und infolge ihrer Eigenartigkeit stark auf das Gedächtnis der Leser wirken. Neue, bildhafte Worte erregen neue Gedankenbilder, neue Gedankenbilder erregen Hoffnung, Erwartung, Zuneigung – also gerade das, was wir in der Werbung wünschen. Sehen sie hier die Vielfalt und den Bilderreichtum der Bezeichnungen, die in einem Weinkatalog zu finden waren:
    Für saure Weine: hart, frostig, rassig, spritzig, frisch, kräftig, lebendig, fordernd.
    Für die Blume: flach, fruchtig, blumig, lieblich, flüchtig, reif.
    Für die Würze: kernig, pikant, würzig.
    Für die Süße: weich, schwer, wuchtig, überreif, saftig, süß, honigsüß.
    Für die Entwicklung: rund, Körper, Zukunft, Spiel, Fülle.
    Dazu noch folgende Steigerungen: gut, mild, schön, fein, elegant, vornehm, edel, – mit Schachtelsteigerung von sehr gut bis hochedel.

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    002 Spider Ljubljana 2014 JPG FLICKR 013

    Vergleichen sie mit dem Wortreichtum die Dürftigkeit folgender Klischeeworte der Fremdenwerbung, die fast in jedem Hotelprospekt zu finden sind:
    gutbürgerlich
    vornehm
    altrenommiert
    modern eingerichtet
    Wiener Küche
    herrliche Lage
    Allen modernen Anforderungen entsprechend
    Jeder moderne Komfort
    günstige Lage
    verwöhntesten Ansprüchen Rechnung tragend
    Anerkannt vorzügliche Weine
    Individuelle Bedienung
    Geschultes Personal
    Sachgemäße Führung
    erstklassige Verpflegung
    Lohnende Ausflüge”


    Aus: Alfred Oskar Mendel. Werben aber wissen wie, Wien 1934

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    © Nagl ~ Wintersberger  2015

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